Süd Korea

SÜD KOREA

Die Situation behinderter Menschen in Südkorea ist für uns kaum vorstellbar.  Tief verwurzelte Wertevorstellungen, die häufig auf religiösen Ansichten beruhen, prägen das Bild von Behinderung in der Gesellschaft. Da viele Menschen daran glauben, dass Behinderung eine Strafe sei, werden behinderte Menschen häufig wie Aussätzige behandelt, von ihren Familien versteckt oder sogar verstoßen. Schlechte Infrastruktur und behindertenunfreundliche Verkehrsmittel schränken die Mobilität Behinderter stark ein. Da viele behinderte Menschen arbeitslos sind und oft nicht unterstützt werden, können sich viele nicht mal einen Rollstuhl leisten. Bewegen sie sich aber trotz der Barrieren in der Öffentlichkeit, sehen sich viele Ablehnung oder sogar aggressivem Verhalten gegenüber.


Diskriminierung durch Mitmenschen und Behörden, eingeschränkte Mobilität und geringe finanzielle Mittel sind die Gründe dafür, dass viele Menschen mit Behinderung ein isoliertes Leben dahinfristen müssen und häufig keine Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und sich bilden zu können. Dies gilt größtenteils auch für die Behinderten, die in Heimen untergebracht sind. Dort werden sie oft gefangen gehalten und von der Außenwelt abgeschirmt.

Ein weitgehend selbstständiges Leben führen, eigenen Interessen nachgehen, Fähigkeiten ausbauen und selbstständig Entscheidungen zu treffen- das ist der Traum vieler behinderter Koreaner. Die Erfüllung dieses Traumes hat sich die Independent Living Initiative zum Ziel gesetzt, eine Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung. Sie bietet Aufklärung über die Rechte behinderter Menschen, die nur den wenigsten bekannt sind und hilft u.a. bei der Auseinandersetzung mit Ämtern. Auch die Aufklärung der Gesellschaft ist Teil der Arbeit, weshalb die Initiative auch häufig zu öffentlichen Aktionen aufruft.

Eine Delegation der Independent Living Initiative wendete sich in diesem Jahr auch  an die Lebenshilfe Rheinisch-Bergischer Kreis. Während einer Studienreise wollten sie sich ein Bild von der Situation behinderter Menschen in Deutschland machen. Der Geschäftsführer Rainer Schmidt beantwortete die Anfrage und stellte ein Programm für die Gruppe auf, das den Besuch verschiedener Einrichtungen und Ämter beinhaltete. So kam, dass sie auch das Wohnhaus Pannhof besuchte. Die Gruppe von 16 Personen setzt sich zusammen aus Mitarbeitern der Independent Living Initiative und Menschen mit Behinderung, die Angebote der Initiative wahrnehmen. Gespannt und aufmerksam lauschten sie dem Vortrag von Erik Lerche, der einen Einblick in die Struktur der Lebenshilfe Rheinisch-Bergischer Kreis und die verschiedenen Wohn- und Freizeitangebote gab. Die Informationen wurden mit Ungläubigkeit und Erstaunen aufgenommen. Häufige Rückfragen und die Reaktion auf die durch die Dolmetscherin übersetzten Inhalte vermittelten schnell den Eindruck, dass unsere Besucher andere Umstände gewohnt sind. Dieser Eindruck wurde im Gespräch nach dem Vortrag bestätigt. Die Wohnheime in Korea sind nicht wie der Pannhof in einer Wohnsiedlung gelegen, sondern isoliert und von der Außenwelt abgeschottet. Die Bewohner dürfen die Einrichtung nicht verlassen und haben auch meist keinen Kontakt zu ihren Angehörigen oder Freunden. Unsere Gäste beschrieben außerdem, dass häufig acht oder mehr Bewohner in einem Zimmer untergebracht sind. Dementsprechend groß waren Erstaunen und Begeisterung angesichts der Einzelzimmer im Pannhof, die von dem jeweiligen Bewohner individuell gestaltet sind.


Ein Highlight für die Gruppe war auch das 10-jährige Jubiläum des Hotel FIT. Natur bewegt nahm für die koreanischen Besucher die Rollstuhlseilrutsche in Betrieb, welche begeistert genutzt wurde. Nach einem schönen Nachmittag im Biergarten, verköstigt durch die Hotelküche, feierte die Gruppe ausgelassen. Nach weiteren Besuchen in Einrichtung der Lebenshilfe und anderen Trägern, fand ein Abschlussessen im Kölner Brauhaus statt. Nach zwei Wochen trat die Gruppe wieder den Heimweg an. Wir bedanken uns herzlich für den Besuch und freuen uns auf ein Wiedersehen!